Da wir uns bis vor kurzem “zwischen den Jahren”, also in einer Art zeitlichem Niemandsland, befanden, bietet es sich an, sowohl Rückschau auf das, was war, als auch Vorausschau auf das, was kommt zu wagen. Diese Gelegenheit wird auch allerorten dankbar aufgegriffen. Und wer bin ich schon, mich da jetzt auszunehmen? Wobei: ich bin wohl kaum befähigt dazu, mich zu Themen wie dem nahen Osten zu äußern. Über “Social Media” allerdings, da weiß ich zwei bis drei Sachen. Und ich las so zwei bis drei schlaue Dinge von Leuten, die sich noch mehr mit dem Thema auskennen, als ich es tue. Voilà: hier ist also die Vorausschau auf Social Media im Jahr 2010, ein Kompendium der populärsten Prophezeiungen. (Wer sich einen Rückblick auf 2009 wünscht, dem sei dieses empfehlenswerte Comic-Video ans Herz gelegt.)

Aus User-Sicht

Waren die verschiedenen Social-Media-Dienste bislang größtenteils völlig voneinander abgeschnittene Inseln, so wird sich der bereits in diesem Jahr zu beobachtende Trend der Verschmelzung verschiedener Dienste in 2010 noch weiter fortsetzen. Neue Anbieter wie FourSquare werden gut daran tun, sich bei etablierten Größen wie Facebook einbinden zu lassen, um eine breite Nutzerschaft zu erreichen. Oder wie die die Internet-Marketing-Expertin Michelle MacPhearson es ausdrückt:

Would [my mom] EVER use something like FourSquare? No. Would she use it if it was integrated into Facebook?  You betcha.

FourSquare auf einem iPhone

Quelle: http://bit.ly/5swKfC

Schließlich haben die Internet-User nur begrenzt Zeit und eine ebenfalls begrenzte Aufmerksamkeitsspanne. Es bedarf schon besonderer Kniffe, wenn man neue Dienste etablieren möchte. Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit sind auch die Erklärung dafür, dass mittels Selektion durch die User wieder neue Grenzen hochgezogen werden.

Social media begins to look less social

fasst David Armano es in Worte. Wer wissen will, worauf er hinaus möchte, braucht sich bloß das neue Listen-Feature von Twitter einmal anzusehen.

Auf der anderen Seite muss man allerdings feststellen, dass der Siegeszug der Smartphones den Usern noch ein gutes Stück Zeit mehr verschafft hat, die sie nun in sozialen Netzwerken verbringen können. Nicht wenige Leute fragen sich bereits, warum sie sich in der Zeit vor dem iPhone in Warteschlangen nicht zu Tode gelangweilt haben. Die mobile Internetnutzung ist sicherlich auch einer der Trends, die sich 2010 weiter ausbreiten werden.

Aus Unternehmersicht

Nachdem sich die erste Aufregung um Social Media gelegt hat, beginnt nun ein zunehmend professionellerer Umgang mit der Thematik. Die Panik, in dem Bereich irgendetwas verpassen zu können ist nun der sachlichen Überlegung gewichen, ob und wie man Social Media am besten für sein Unternehmen einsetzen kann.

Im Jahr 2010 werden Projekte im Kontext sozialer Medien strategisch fundiert beginnen. Bislang wurde von Unternehmen oftmals aktionistisch vorgegangen im Sinne von „Wir brauchen da ein Blog“

drückt es das sierralog aus.

Quelle: http://bit.ly/8YVJ6S

Ein wichtiger Faktor wird dabei sicherlich der ROI sein, der sich für Social-Media-Aktivitäten bislang nicht objektiv messen lässt. Die Unternehmen sind  durchaus bereit dazu, im Bereich der sozialen Medien im Jahr 2010 mehr Zeit und mehr Geld zu investieren, aber sie sehnen sich nach Kompass, mit dem sie sich auf diesem Gebiet orientieren können. Und das Wettrennen um eine fundierte Messmethode läuft bereits.

ROI will be measured – and it will matter

da ist sich die Social-Media-Expertin Ravit Lichtenberg sicher.

Aus SEO-Sicht

Die Relevanz eingehender Links aus sozialen Netzwerken wird sich zukünftig stärker nach der Popularität dieser Links richten. Es leuchtet ja ein, dass ein Link der bei Twitter unzählige Male retweetet wird, für ein höheres Ranking in den SERPs sorgen sollte, als dies bei weniger populären Links der Fall ist. Deswegen wird die Bereitstellung von hochqualitativem Content 2010 einen noch höheren Stellenwert haben, als dies bislang der Fall gewesen ist.

Oder man versucht, über Gewinnspiele, die Leute zum Retweeten eines Links zu motivieren, womit einige Unternehmen bei Twitter schon für einen veritablen Buzz gesorgt haben. Man denke nur an Moonfruit, die es über ein Gewinnspiel geschafft haben, eine Woche lang an der Spitze der Trending Topics zu verharren.

SEO insgesamt könnte eine grundlegende Veränderung ins Haus stehen, wenn sich die Prophezeiungen einiger Experten bewahrheiten, dass das Echtzeitweb über kurz oder lang Google immer stärker das Wasser abgraben wird.

Das sind also die Prophezeiungen, auf die sich die meisten Experten derzeit einigen können. Ob sie sich bewahrheiten werden? Man wird sehen. Wir sprechen uns wieder im Dezember 2010. Wer bis dahin über Neuheiten auf dem Laufenden bleiben möchte,  den lade ich ein, dem Twitter-Account @so2ialamt zu folgen, bei dem nicht nur einen Haufen Unsinn verzapft wird, sondern auch über neue Entwicklungen im Bereich Social Media informiert wird.

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